Werden sich die Medien bei Andrea Ypsilanti und den Menschen in Deutschland entschuldigen?
Erinnert sich noch wer an Andrea Ypsilanti, ehemalige SPD-Chefin aus Hessen? Vier aufrechte SPD-Mitglieder, Carmen Everts, Dagmar Metzger, Silke Tesch und Jürgen Walter, hatten Ypsilanti Anfang diesen Jahres gestoppt, weil diese die Bundesrepublik Deutschland in einen kommunistischen Staat umformen wollte. Andrea Ypsilanti hatte vor der Hessenwahl immer versichert, nicht mit der Linken zu koalieren oder sonst wie mit ihnen zusammen zu arbeiten. Das Ergebnis ist bekannt – der so genannte Wortbruch ging in die politische Geschichte ein, müßig zu erklären, dass Andrea Ypsilanti bei dem Wahlergebnis keine andere Wahl hatte zu handeln, wie sie es getan hat.
Es gab Neuwahlen und Roland Koch darf sich weiterhin Ministerpräsident von Hessen nennen. Vor den Hessischen Neuwahlen gab es eine vorher nie gesehene Hetzjagd der Medien auf den Menschen Andrea Ypsilanti. Die vier aufrechten Genossen wurden als Helden gefeiert. Hier nicht von einer Kampagne der etablierten und mächtigen Medien zu sprechen, würde von Realitätsverlust zeugen.
Volker Zastrow ist verantwortlich für den Politikteil der FAS – steht also nicht im Verdacht, im linken Lager zu stehen. Er begann zu recherchieren, weil er ein Buch über die vier großen Helden schreiben wollte. Nachdem, was er in Erfahrung brachte, sollten sich unzählige Medien in einer Titelgeschichte bei Andrea Ypsilanti entschuldigen. Und zwar so gut wie alle in Deutschland erscheinenden Zeitungen und Zeitschriften.
Volker Zastrow hat in den letzten Monaten ein Buch geschrieben: Die Vier. Eine Intrige. Er beschreibt dort bis ins kleinste Detail, was wirklich in Hessen vorgefallen ist. Sein Vorab-Artikel in der FAZ ist an Deutlichkeit nicht zu überbieten und lässt erahnen, wie dreckig das Geschäft Politik wirklich ist. So soll zum Beispiel der rechte Flügel in Hessen Andrea Ypsilanti zu einem zweiten Anlauf gedrängt haben, sich zur Ministerpräsidentin wählen zu lassen – um sie dann in letzter Minute in der berühmt-berüchtigten Pressekonferenz fallen zu lassen. Silke Tesch hatte sich kurz vor der Abstimmung sogar mit dem hessischen Regierungssprecher und engsten Vertrauten von Ministerpräsident Roland Koch, Dirk Metz, in der Wohnung dessen Mutter getroffen. Das ist alles so unglaublich und lässt selbst mich, Chef-Zyniker zum Thema SPD, sprachlos zurück.
Die Artikel in der FAZ sollen natürlich Lust auf mehr machen, sprich den Buchverkauf ankurbeln, keine Frage. Sollte jedoch nur die Hälfte stimmen, muss nicht nur Geschichte neu geschrieben werden, es muss generell die Frage gestellt werden, von was für einem Menschenschlag die Politik beherrscht wird. Andrea Ypsilanti kann man im schlimmsten Fall noch vorwerfen, dass sie vor der Wahl eine Zusammenarbeit mit den Linken ausgeschlossen hat, nicht aber ihr Verhalten nach der Wahl. Was dann unterm Strich bleibt, ist politische Naivität. Diese wird im politischen Geschäft gnadenlos bestraft. Carmen Everts, Dagmar Metzger, Silke Tesch und Jürgen Walter sollten sich überlegen, ob sie nicht freiwillig aus der SPD austreten – wäre ich Mitglied in der Hessen-SPD würde ich alles daran setzen, dass man diese vier so genannten PolitikerInnen vom Hof jagt.
Wie bereits erwähnt, steht Volker Zastrow nicht wirklich in Verdacht, sich für das linke Lager der SPD einzusetzen. Das lässt seine Recherchen und seine Arbeit umso glaubwürdiger erscheinen. Die Medien in Deutschland müssen sich allgemein die Frage stellen lassen, warum solche Meisterstücke die Ausnahme sind, nicht die Regel. Die SPD-Rechte, insbesondere der Seeheimer Kreis, muss sich fragen lassen, ob und wie er involviert war – hat er die mediale Hetzjagd auf Andrea Ypsilanti begleitet und gefördert. Eine Frage, die ebenso gestellt werden muss: Wussten Frank-Walter Steinmeier und Peer Steinbrück bescheid? Und zu guter Letzt: Werden sich die Medien bei Andrea Ypsilanti und den Menschen in Deutschland entschuldigen?
FAZ – Links blinken, rechts abbiegen
FAZ – Korrektur vieler Falschmeldungen
SPIEGEL – Abrechnung mit den Abweichlern
SZ – Die späte Wahrheit über Jürgen Walter
Tagesspiegel – Der Fall der Vier
FR – Hypothek auf einer Ruine
Quelle: F!XMBR
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