Kanzlerin bald allein zuhause – „Andenpakt" verlässt die politische Bühne – tiefe Verärgerung über die Bundesvorsitzende
Berlin/Hamburg (pdh) Die Freunde im so genannten Andenpakt haben sich auch bei der Verabschiedung aus der politischen Verantwortung eine gemeinsame Haltung bewahrt. Jedes Mal ist die Erzfeindin, Bundeskanzlerin und Bundesvorsitzende der Union, im Ausland oder schwer zu erreichen, wenn der bevorstehende Rücktritt eines Ministerpräsidenten publik wird. Auch Bundespräsident Horst Köhler hatte eine ähnlich ungewöhnliche Weise gewählt, die Bundeskanzlerin von seinem Rücktritt zu unterrichten.
Nun sitzt Angela Merkel vor oder auf einem Scherbenhaufen. Und niemand in der Union hat echtes Mitleid mit ihr, die sich nur sich selbst interessiert und seit Jahren alle ihre Handlungen ausnahmslos der Entwicklung ihrer eigenen politischen Karriere untergeordnet hat. Sich umgeben hat mit rückgratlosen Jasagern wie Pofalla, Kauder und einer weiteren kleinen Gruppe kritikloser Befehlsempfänger.
Dabei ist ihr definitiv eine grandiose Leistung gelungen, sie hat den schier unkaputtbaren Männerbund namens „Andenpakt" zerstört. Hat eine Seilschaft der mächtigsten Männer in der Deutschen Christdemokratie aus den Angeln gehoben, gegen die in der Bundesrepublik jahrzehntelang nichts ging.
Laut SPIEGEL wurde der „Pacto Andino Segundo" am 25. Juli 1979 in 10.000 Meter Höhe über den Anden geschlossen von Mitgliedern der Jungen Union auf einer Flugreise nach Chile. Ihm schlossen sich später weitere junge Unionisten an, so dass am Ende ein Club mit aus Unionssicht illustrer Namen zusammen saß und sich gegenseitige Unterstützung versprach: Matthias Wissmann, Peter Müller, Franz-Josef Jung, Friedbert Pflüger, Friedrich Merz (kooptiert), Ole van Beust, Günther Oettingen, Norbert Rüttgers, Christian Wulff und Roland Koch, um nur einige zu nennen.
Und sie wurden alle etwas in der Politik, die meisten sogar Ministerpräsidenten. Kein Wunder also, dass vor diesem politischen Bündnis jedem, der nicht dazu gehörte, die Beine schlotterten. Nicht so Angela Merkel, der politischen Newcomerin aus dem Osten der Republik, ohne jeden Stallgeruch oder gar eigene Hausmacht. Nach und nach hat sie alle aus ihren Ämtern geekelt und den letzten der gefährlichen Gegner, Christian Wulff, ins Bundespräsidentenamt fortgelobt.
Nun steht sie allein da, am Ziel ihrer Politik und dennoch am Ende, denn sie hat keine eigenen Visionen, und visionsloses Agieren, nur auf den eigenen Machterhalt bedacht und ohne jede Phantasie in politischer Gestaltung, funktioniert nicht ohne schwergewichtige Politgrößen in Reichweite. Und diese sind ihr nach und nach verlorengegangen.
Die letzte ist jetzt der Hamburger Regierende Bürgermeister Ole von Beust. Egal, welche Gründe er am Ende morgen offiziell für seine Demission anführen wird, politischen Beobachtern war seit Monaten klar, dass er tiefen Groll für die Kanzlerin empfindet, die wohl ihre Zusagen auf ein bundespolitisches Ministeramt für den Hamburg-müden Bürgermeister nicht eingehalten hat. So wie sie es anscheinend mit Roland Koch getrieben hat, der unlängst seinen Rücktritt ankündigte. Friedrich Merz hatte sie schon früher entsorgt, Rüttgers hat sich selbst entmachtet. Peter Müller im fernen Saarland hat seine Ambitionen zurückgeschnitten und muckst kaum noch auf.
Angela Merkel hat ein großes Problem, neben dem, das sie selbst zunächst nicht erkannt hatte namens Guido Westerwelle. Niemand wettet mehr auf eine Silvesteransprache am Jahresende 2010 von einer Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel.
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